logoblogg.de • Elektrische Zigarette 

Samstag, 29.07.2006

Schulung...

Ich hatte formlos per Telefonat von meiner Anstellung erfahren; die dazugehörige Post war offenbar unbekannt verschickt worden. Zwei Wochen Schulung in Kleingruppen wurden angesetzt, mit anschließendem Sprung ins kalte Wasser der Telefonie. Meine paritätisch zugesetzte Kleingruppe bestand aus sechs Personen, von denen ich später genau die Hälfte Kollegen nennen würde. So trafen wir uns dann an einem Montagmorgen im hübsch klimatisiertem Konferenzraum in dem bereits der unvermeidliche Laptop samt Beamer für das unsäglich Folgende bereitgestellt waren.

Die Inhalte der folgenden Powerpointpräsentation waren ein Musterbeispiel für die oft verdrängte Problematik der Simplifizierung komplexer Zusammenhänge durch das Programm von den Ufern des Styx. Das Fragwürdige ist schnell auf die Punkt gebracht: Das Material wird Teletubbieisiert (wenn ich mir diese Wortschöpfung erlauben darf). Befragt man beispielsweise geplagte Studenten nach fünfzehnminütiger Bestrahlung zur fünften Folie, können sie sich an drollig bunte Rechtecke und womöglich sogar deren Farben erinnern. Was diese geometrische Fata Morgana allerdings beschwören sollte, ist verschwunden. Es bleiben große Klammern zwischen den einzelnen Kapiteln, denn die haben Überschriften. Und weil sich das offenbar rumgesprochen hat, war unsere Schulungsführung zur raffinierten Taktik der kontinuierlichen Wiederholung übergegangen. In der Praxis hieß das ein simples Modell zwei Wochen lang bis zum Erbrechen wiederzukäuen.
Ziel war das Erlernen der Codewörter zur internen Agentenverständigung. Und Kern der Wortschatz des Computersystems, dass, nun frisch eingeführt, die über sechs Millionen Kunden verwaltete. Nachvollziehbar, dass hier Grundkenntnisse in MS Office oder ein Schreibmaschinenkurs wenig weiterhelfen. Deshalb soll die Sinnhaftigkeit folgender sich vorwehrend wiederholender Folie an dieser Stelle auch nicht in Frage gestellt werden:



Die korrekte Reihenfolge im sogenannten EBL Haus entsprach dem logischen Aufbau des namensgebenden SAP-Bastards für Energiekonzerne. Allerdings nötigt das, manchem als Sanduhr Aufruf Programm bekannte System, dem gelehrigen Padawan auch schwer akkumulierbare Platitüden ab, deren Kenntnis unabdingbar ist, will man dem Kunden den Strom wieder andrehen. Die allerdings, die stehen nicht im EBL Haus.

Ich bin nicht sicher, ob bereits die Beschäftigung oder aber der ständige Gebrauch von Fachidiotenwortschöpfungen jeglicher Coleur dazu führt, dass sich mit der Nischensprache auch eine Einschränkung des Bewusstseins einschleicht ­ verständlich wäre es, denn wir benutzen zum Denken die selben Worte wie beim Reden. So relevant aber SAP/EBL-Sprech hier noch sein wird; es entwickeln sich in diesen Centern der Sprachkultur noch andere Kommunikationsformen von sublimerer Gestalt, die, das muss gesagt werden, auf die Raffinesse und Begabung ihrer Mitarbeiter hindeuten. Problematisch ist das für den GP, dem leicht die Unkenntnis zum Verhängnis werden kann. Um also den praktischen Wert dieser Zeilen bereits frühzeitig für den geneigten Leser greifbar zu machen, ist ein Exkurs in den drei Grundtypen der CallCenter-Mißverständnisse unabdingbar.

I. Die zurückgehaltende Information

Agent: Bezahlen Sie so schnell wie möglich!
Klartext: Machen Sie eine Bareinzahlung, faxen Sie den Bareinzahlungsbeleg an den Außendienstler, sonst haben Sie morgen früh ab 9:00 Uhr keinen Strom mehr.

Agent: Gern, ich melde Sie dann rückwirkend zum 01.06.05 an. Dann gibt?s in den nächsten Tagen Post mit unseren Begrüßungsschreiben...
Klartext: Sie bekommen die letzten anderthalb Jahre Abschlagszahlungen auf einmal in Rechnung gestellt und auch keine Ratenzahlung, weil Sie sich zu spät angemeldet haben.

Agent:...fristgerecht...berechtigt...jahresrechnung...abschlagsplan...
Klartext: Ich storniere die Mahngebühr nicht!

Agent: Einen kleinen Moment bitte, ich möchte gern einen Vorgesetzten dazu befragen.
Klartext: Ich hab keine Ahnung, was Du von mir willst!

Kunde: Ich hab keinen Strom mehr.
Agent: Rufen Sie nen Elektriker an, wir haben damit nichts zu tun.
Klartext: Der Außendienst wollte den Nachbarn sperren, hat aber aufgrund einer jahrelange zurückliegenden Zählerverwechselung natürlich die Falschen erwischt.

Kunde: Wie ist mein Kontostand?
Agent: Alles im grünen Bereich! Ich wünsche noch einen wunderschönen Tag!
Klartext: Die Jahresrechnung über 1500? die Du nächste Woche kriegst, erwähne ich hier lieber mal nicht.

II. Anfragen, die in die endlos Warteschleife führen

Kunde: Erklären sie mir die thermische Gaspreisberechnung.

Kunde: Wieviel Energie verbrauche ich um einen Liter Wasser zum Kochen zu bringen?

Kunde: Wann kommt der Außendienst zum Ablesen?

Kunde: Ich speise in Ihr Netz ein und möchte einen Zählerstand durchgeben...

Kunde: Warum sind inflationsbereinigt die Preise im Verhältnis zu meinem Nettoverbrauch aus den letzten zehn Jahren nicht analog zur Entwicklung an der Energiebörse EEX gestiegen, sondern orientieren sich meinen Berechnung nach, am selben Verhältnis des Goldenen Schnittes von Leonardo Da Vinci; der ja bekanntermaßen Templer war, genau wie Ihr Vorstandsvorsitzender?!

Kunde: Ich hab Steine auf die Gleise gelegt und will 10.000?.

Kunde: Ich will Ihren Vorstandsvorsitzenden sprechen... (sich dabei nicht abwimmeln lassen!)

III. Die verdeckte Verarschung

Kunde: Ich will Ihren Vorgesetzten sprechen!
Agent: Einen Augenblick bitte, ich verbinde Sie gern... (mit dem Agenten nebenan...)

Kunde: Dürfen Sie Entscheidungen treffen?
Agent: Selbstverständlich!

Kunde: Ich möchte meine Bankverbindung ändern...
Agent: Gern... (Du Arschloch!)

Kunde: Sitzen bei Ihnen auch Ausländer vor den Computern?
Agent: Also in meiner Abteilung nicht! (...aber die Computer sind aus Asien und unser Konzern weltweit aktiv, Du verkappter Fascho...)

Es braucht seine Zeit um dieses hohe Maß an kommunikativem Geschick zu entwickeln und so tut es nicht wundern, daß gerade Kommunikation Grundbestandteil des Unterrichts war. Wie viele von uns dann leidvoll erfahren mussten, beruhen derartige Veranstaltungen bis zum nächsten Paradigmenwechsel offenbar ausschließlich auf den Werken des Friedemann Schulz von Thun. Dabei verhält sich der berühmte Kommunikationswissenschaftler in seiner Disziplin, so wie Dietrich Schwanitz zu der Seinigen: populär, eingänglich, reproduzierbar und an jeder Bahnhofsbuchhandlung zu erwerben. Sicherlich beruht der Erfolg auch zum guten Teil darauf, dass systematisiert und verschlagwortet wird, was unterbewusst jeder weiß aber unterschiedlich beachtet...

Wer kennt und liebt nicht sein ?inneres Team?, achtet auf die Apellationsebene, wenn Freundin sagt: ?Ich fahre zu meiner Mutter...? oder streitet sich mit seiner ?inneren Pluralität? über die Gesprächsleitung. Mir wurde nach den vier Stunden ?Einführung in die Kunden-Kommunikation? bewusst, daß auch außerhalb des Reichstages in kurzer Zeit viele sinnvolle Dinge als schale Worthülsen verballert werden können... und das stimmt hoffungsfroh.


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Donnerstag, 27.07.2006

Wie aus Kling!Kling! Kring!Kring! wird...

Als die Vorleserin geendet hatte fielen die Sorgen vor lauter Verblüffung von mir ab. War dies die befürchtete Logikfalle? Hatte die Praktikantin möglicherweise den falschen Text kopiert? Oder sollte bewusst der intellektuelle Widerspruch beschworen werden, dessen Entrüstung bei einer derartigen Abiturienten-Beleidigung mehr als verständlich gewesen wäre? Aber statt Aufruhr atmete auch ich pure Erleichterung. Eifrig wie alle füllte ich genau eine A4 und stellte mit Entsetzen fest, dass Dank des fortgeschrittenen Computerzeitalters, das wohl größte Hindernis für die Anstellung nicht der Test sondern meine Handschrift sein würde. Wer mag schon hinter Gekritzel den ruhigen, strukturierten Geist vermuten, den das harte Business benötigt?

Allerdings: Auch dieser Anfall von Unsicherheit sollte ohne Folgen bleiben, denn wer befürchtet sein Werk hinterher vom Rotstift gefärbt und mit allerlei pädagogischen Randbemerkungen versehen zurück zu erhalten, bleibt verschont. Denn derartige Ergüsse verschwinden einfach auf nimmer Wiedersehen - und zwar in dem schwarzen Loch zwischen den Aktenschränken der Personalabteilung, dem immer wieder auch die Lohnsteuerkarten zum Opfer fallen. (Ich bin allerdings überzeugt, dass sie alle, inklusive meiner Studienbescheinigung 2005, eines Tages auf einer humoristischen Internetseite veröffentlicht werden, deren Werbeeinnahmen dem Bund Deutscher Personalabteilungsekretärinnen zufließen.) Das konnte ich aber bis dato nicht wissen und so stellte ich mir vor, wie die nunmehr zur RauPiPau (Rauch- und Pinkelpause) auffordernde Personaltrinität, am Abend nach Feierabend beim Rotwein zusammensitzt und sich über krude Bewerbungen lustig macht; auch über die Bilder natürlich. Wobei dem merkwürdig dreinblickenden Brillenträger durchaus zuzumuten war, dass er die Bilder der geschorenen Gravitationszentren auch für andere Amusements verwendete. - Das war der Punkt an dem ich offenbar Kaffee und einen Schokoriegel brachte, denn derartige Gedanken sind nicht nur höchst unangebracht sondern auch über die Maßen eklig. Zeit aufzustehen und dem Strom zu folgen.

Raucher kennen das Gefühl: ein warmer Sommertag, vom Himmel strahlt wie so häufig eine Jahrtausendsonne und schon kurz nachdem man sich durch die Massen schwitzender Zeitgenossen in der Bahnhofshalle gekämpft hat, muss ein Gang angetreten werden, auf dem satt Büßer- Karohemd und das Ziel nicht Canossa, sondern die Raucherzone ist. Oft sind es endlose Meter vom Aufgang querab zum Bahnsteig unter den schwer erträglichen und spröden Blicken von Nichtrauchern. Diesen Blicke ruhen besonders unangenehm, denn sie stehen bereits abfahrbereit am rechten Ort. Eine Tatsache, die gelinde gesagt mit Unmut erfüllt. Mit frischen Perlenschweiß auf der Stirn erreicht man dann den rettenden Bereich und plötzlich, aus unerklärlich mystischen Gründen, weicht dem Groll die tiefe Verbundenheit und Harmonie mit den wenigen anderen im Kreis der Suchtpatienten. Soll doch der Zug dahinten entgleisen, über den Bahnsteig sich und die Wartenden in alle Einzelteile zerlegen und rauchend zum Stehen kommen ? klar ist, wem die Aufmerksamkeit im heillosen Chaos der Katastrophe gelten würde, denn nur diese Mitraucher hier haben Feuer und einen offenen Blick für Dich.

Im CC ist es indes genau umgekehrt, denn da sind die Nichtraucher in der Minderheit. Das hätte, rückblickend betrachtend auffallen können, denn im Abstand von genau 60 Minuten wurde zur Pause gebeten, auf dass geraucht werden könne. - Offenbar verbindet das blaue Band in den sieben Minuten Pause einer jeden Stunde die Agenten über alle Hierarchieebenen hinweg. Es sorgt für die Kommunikation die sonst aufgrund des menschlichen Ruhebedürfnisses unter den herrschenden Umständen nicht mehr stattfinden würde. Beobachtet man hingegen die NR bei der Pause stellt man fest: Die Essen oder Lesen ? reden tun die nicht. Also redet auch keiner mit Nichtrauchern, die haben schließlich auch kein Feuer. Wenn also jede Berufsgruppe spezifische Süchte hat, dann sind Nikotin und Coffein sowie deren chemische Potenz der Treibstoff, der aus Telefonklingeling in alchemistisch anmutender Weise Kassenkringkring werden läßt.

Als ich aber auf dem Flur zwischen Gerald und Max stand, der mich aus seinen freundlichen Augen aufmerksam abklopfte, meine heiße Tasse und eine Lucky Strike genoss, war mir noch lange nicht klar, wie sehr mich statt Kind und Kirche, Kippen und Kaffee umtreiben würden.

Freitag, 14.07.2006

Universelle Logik

So war der Andrang beim Assessment Center des Call Centers um das es hier gehen soll auch signifikant groß. Trotz ausdauernder Zeitungsannoncen schien der Bewerberstrom nicht abzureißen, so dass man es auch in dieser Runde auf etwa 25 Teilnehmer brachte. Zu vergeben waren eine unbekannte Menge Jobs im Inbound Projekt eines namhaften Energieversorgers mit dem fantastischen Stundenlohn von 8,25? Brutto. - Klang auch in der Zeitung schon gut, was aber auch bedeutete, daß neben dem Standardtypus ?Student sucht Job? auch andere Kaliber aufliefen.

Während also der Beamer vor sich hin summt, sich die Strategen einen guten Platz im namenlosen Konferenzraum suchen und zwischen den Adepten die ersten, leisen Gespräche beginnen, werde ich als ungewollt von einem Call-Center-Hobber in Kurzform über seine einschlägigen Erfahrungen aufgeklärt ? und das bevor ich meinen Mantel ausziehen konnte. - Ich gebe an dieser Stelle gleich zu, dass ich nicht richtig zugehört habe und mir anhand der Fetzen, die mir in Erinnerung geblieben sind, meinen Teil dazu dichte: im 23 Semester Politik, aber dennoch unverdrossen Idealistisch hatte er beinahe jede kapitalistische Telefonausbeutungsbude aufgrund Geldmangels kennen gelernt, wurde natürlich immer aufgrund seines schwer zu verbergenden rhetorischen Geschicks angestellt, bald aber wieder entlassen. Offiziell, weil er jede einzelne Minute seiner Anwesenheit auch bezahlt wissen wollte und damit so lange nervte, bis ihm keiner mehr den Vertrag verlängerte. Inoffiziell aber, so raunte er verschwörerisch, weil er sich nicht mit dem repräsentierten Unterdrückerkonzern identifizieren konnte und wollte. Sein Schlusssatz war: ?Wir brauchen eine neue RAF!? Das ich hier zunächst an die Raiffeisenbank dachte, zeigt wohl, dass ich alt werde. Ich versuchte derweil konzentriert einen desinteressierten Eindruck zu machen, denn ich hatte anderes im Sinn.

Wenn man seit geraumer Zeit Single ist, sieht so eine Bewerber- eher wie eine Kandidateninnenrunde aus... Wer jetzt allerdings eine schicke Beschreibung erhofft, wird enttäuscht, denn es muss mit einem Vorurteil aufgeräumt werden, dass völlig unbegründet und nur durch das explizite Marketing der Call Center Größen entstanden ist: die Mädels mit den Head-Sets sind nicht blond, attraktiv und freuen sich lächelnd auf den nächsten Kunden, den es zu bezirzen gilt! (Ausnahmen bestätigen die Beständigkeit dieser Regel.)

Denn als ich zwischen den Langzeitstudis und Arbeiterkindern die Frauen entdeckte, die nicht gerade mal die Akademikerlaufbahn eingeschlagen hatten, verdichte sich der Verdacht, dass hier vom Universum eine Formel von simpler Logik angewandt wird: ?Was den Haaren an Länge fehlt, wird durch Umfang des Bauches kompensiert.? Das klingt fies chauvinistisch, aber ist, aus eigener Erfahrung, das Gewicht ein nicht zu unterschätzender Faktor! Der gemeine Agent braucht einen funktionstüchtigen Stuhl, er hat keinen eigenen, muss ihn also teilen und bekommt ihn bald zerteilt zurück ? und nirgends ein Q, der eine sich selbstverteidigende Variante bereithält. Mein besorgter Blick auf das gerade benutze Sitzmöbel beruhigte mich wieder, was gut war, denn ein weltmännisch gekleidetes Trio mit strengen Mappen unter den Armen trat ein und es ging offenbar los.

 

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Mittwoch, 12.07.2006

Gut oder Böse?

Wie einstmals politische Splittergruppen (aus denen man sich gegenseitig wieder ausschließen konnte) schießen die Dienstleister aus dem Bogen und gieren, ganz im Trend der Globalisierung nach flexiblen, innovativen, dynamischen, belastbaren und fröhlichen Qualitätsfreunden ? gutes Aussehen erwünscht, aber kein muss. (Klingt nach genau den Eigenschaften die mancher Nachbar im BWL-Seminar wie ein Mantra vor sich hinbetet; natürlich nicht um zu bitten, nur zur Demonstration.) Stand 2005 bieten ca. 5600 Call Center ihren etwa 350.000 Beschäftigten befristete Arbeitsverträge auf Stunden- oder Provisionsbasis bei flexibler Zeiteinteilung ? der Traumjob für jeden ernstzunehmenden Studenten. Zumal der Vielzahl der Dienstleister eine weitaus größere Zahl an Dienstleistungen gegenübersteht. Erstmal ist dabei jedoch zwischen Gut und Böse, oder im Fachjargon: Outbound und Inbound zu unterscheiden. Outbound ist Böse, ganz klar, denn hier wird vom SKL-Los über Babynahrung und Holzkohle bis hin zum Premiereabo als telefoniert, was vertickert werden kann. Dem nicht genug wird harmlosen Zeitgenossen die entnervt vom schlechten Service ihren Handyvertrag oder das Premiereabo gekündigt haben, durch das sogenannte KüMa hinterhertelefoniert inklusive dem Angebot oft fataler Alternativen. Man stelle sich nun einen Premiereagenten vor, der nach dem Verlust der Fußballrechte sein Philosophielexikon über Provisionen finanzieren will ? mehr ist dazu nicht mehr zu sagen. Direkt Gegenüber steht das sogenannte Inbound und das ist gut - zumindest für den telefonierenden Agenten, denn hier ist er selbst der Herr über Wohl und Wehe; die Hand die den Hörer hält. Und, mit Verlaub, es sind Sie, die uns in diesem Fall mit Anrufen penetrieren, wenn Sie ihren Handyanbieter, den Energieversorger oder ihren Internetprovider mit einem berechtigen Anliegen behelligen. Es ist selbstverständlich, dass Inbound beliebter ist, denn als Student ist man von Natur aus gewöhnt überzeugt zu werden und überzeugend oft nur in der Adaption zu sein.
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Dienstag, 11.07.2006

In and suddenly Bound

Das klassische Bild des Studenten aus den alten Tagen von Revolutionsrhetorik und Talar-Ausverkauf hat inzwischen nichts mehr mit der Realität zu tun. - Sicherlich treiben sich zwischen Instituten und BWL-uniformierten Bacheloranwärtern noch ein paar ewig gestrige Avantgardisten vom Typ zur-Schau-gestelltes-Arbeiterkind herum, aber ganz offensichtlich ist die Zeit, in der man reich an Zitaten, aber arm an pekuniären Mitteln war vorbei. Auch möchte niemand mehr sich mehr mit Hirseeintopf ?Burikano Faso?, Dritte-Welt-Gericht des Monats aus der Volx-Küche den Magen verderben; insbesondere wenn Studiengebühren vor der Tür stehen.  Wenn man also keine reichen Eltern hat und/oder aber eine Aversion gegen die BAföG-Bürokratie hegt, bleibt nur: arbeiten.

Und Dank des technischen Fortschritts sowie ungeheurer Akkumulationsprozesse in der Weltwirtschaft haben sich attraktive Beschäftigungschancen entwickelt, die, mehr denn je, dem Studenten und seiner Natur entsprechen. Wurden, wie man hört, in früheren Zeiten schweißbewehrten Angesichts Brauerei LKW (oft gegen Naturalien) entladen oder Akademikerhände durch fies fettige Teller respektive den Humor des Wirts beschmutzt, so haben wir heute Alternativen deren Grundkonfiguration nahezu ideal zu nennen ist:

Rumhocken und Rumlabern in CallCentern.

to be continued...
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